Was ist zu tun?

Sobald sich erste Anzeichen für einen Herzinfarkt bemerkbar machen, sollte unverzüglich ein Arzt oder die Rettung verständigt werden.

Bestätigt sich der Verdacht, ist es sehr wichtig, möglichst schnell zu reagieren und das Gefäß aufzudehnen, denn sonst ist der Schaden irreversibel und kann von Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herzstillstand führen. Im ersten Schritt werden deshalb Schmerzmittel, Sauerstoff und gefäßerweiternde Medikamente verabreicht. Die Diagnose wird vom Arzt durch EKG, Blutuntersuchung und Ultraschall abgesichert.

Neben der medikamentösen Behandlung durch gerinnungs­hemmende Mittel kann das verstopfte Gefäß behandelt werden, indem es mechanisch gedehnt oder ein Bypass gelegt wird. Bei der mechanischen Dehnung wird ein Katheter mit einem Ballon über einen Zugang in der Leiste oder den Arm bis an die betroffene Stelle geführt. Mit dem Aufblasen des Ballons wird auch das Gefäß gedehnt und ein sog. Stent (ein röhrenförmiges Maschendraht­geflecht) gesetzt, um die verengte Stelle dauerhaft geöffnet zu halten. Ein Bypass wird dann gelegt, wenn es nicht möglich ist, einen Stent zu setzen oder mehrere Arterien betroffen sind. Dabei werden die verengten Stellen mit einem Gefäß, das zuvor aus dem Bein entnommen wurde, überbrückt. Das Blut kann dann über diese Umleitung wieder zum Herzen fließen.

Wie macht sich ein Herzinfarkt bemerkbar?

Zu den typischen Symptomen eines akuten Herzinfarktes zählen starke Schmerzen im Brustbereich, die in den linken Arm und Schulter ausstrahlen. Oft werden die Schmerzen als brennend und drückend empfunden.

Frauen zeigen andere Symptome.
Neben diesen bekannten Symptomen gibt es aber auch einige untypische Beschwerden, durch die sich ein Infarkt bemerkbar macht. Nur ein geringer Prozentsatz der Frauen zeigt die „klas­sischen“ Symptome. Viel häufiger kommt es bei ihnen zu Druck und Engegefühl im Brustbereich, Schmerzen in Oberbauch, Wirbelsäule und Unterkieferbereich. Außerdem kommt es häufig zu Kurzatmigkeit, sinkender Leistungsfähigkeit, Schlaf- und Verdauungsstörungen, Übelkeit, Erbrechen bis hin zum Kreislaufzusammenbruch und Bewusstlosigkeit.

Durch diese untypischen Beschwerden werden Symptome oft nicht rechtzeitig ernst genommen und mit Magen-Darm- oder Rückenbeschwerden verwechselt. Das späte Erkennen der Notlage führt dazu, dass ein Herzinfarkt bei Frauen öfter tödlich endet.

Die unterschiedlichen Merkmale entstehen, weil sich beim männlichen Herzinfarkt die linke Herzkammer erweitert und das Herz nicht mehr stark genug arbeiten kann, während sich bei Frauen der Herzmuskel verdickt, was die Entspannungsphase des Herzens beeinträchtigt.

Die NAN-Regel
Frauen sind besonders ab den Wechseljahren gefährdet, einen Herzinfarkt zu erleiden. Hier kann die NAN-Regel helfen, rechtzeitig zu reagieren und die Symptome richtig zu deuten. NAN steht dabei für Nase-Arm-Nabel. Sollten in den Bereichen zwischen diesen drei Punkten Schmerzen auftreten, die länger als 15 Minuten dauern, ist Vorsicht geboten. Bitte rufen Sie sofort einen Arzt zu Hilfe.

Welche Risiko­faktoren gibt es?

Zu den Risikofaktoren, welche die Wahrscheinlichkeit erhöhen einen Herzinfarkt zu erleiden, zählen neben Alter und genetischer Veranlagung auch das Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel, emotionaler Stress, Diabetes sowie erhöhte Cholesterinwerte und ein hoher Blutdruck. Die beiden letzteren Faktoren sollten regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden.

Bluthochdruck
Der Blutdruck ist der Druck, mit dem das Blut durch den Körper gepumpt wird. Dieser Druck schwankt je nachdem, was man gerade tut, z. B. laufen oder schlafen, und ist morgens erhöht und in der Nacht niedriger. Gemessen werden zwei Werte: Beim systolischen Wert wird der Druck während des Pumpens angegeben, beim diastolischen Wert der Druck während einer Entspannungsphase des Herzens.

Bestätigt eine wiederholte Messung des Blutdrucks durch den Arzt Werte von 140/90 mm Hg und höher oder liegt auch nur einer der beiden Werte immer darüber, spricht man von Bluthochdruck.

Zur genauen Absicherung der Diagnose wird allerdings oft eine Langzeitmessung über 24 Stunden durchgeführt. Dabei trägt der Patient ein mobiles Messgerät im Alltag bei sich. Die Messung wird dann vom Arzt ausgewertet.

Bluthochdruck ist deshalb so gefährlich, weil der konstante Druck in den Gefäßen diese schädigt und auch das Herz konstant überlastet, da der Herzmuskel ständig gegen erhöhten Widerstand arbeiten muss. Die Wahrscheinlichkeit von Plaques und Arterienverkalkung steigt. Die Gefäßwände werden unelastisch und verlieren ihre Fähigkeit gefäßerweiternder Regulierung. Schon ein leicht erhöhter Blutdruck kann schleichend dieses Rad der Folgeschäden in Gang setzen.

Ursächlich unterscheidet man bei Bluthochdruck die Primäre Hypertonie – keine organische Ursache, aber schlechte Lebensgewohnheiten können diese stark begünstigen und die Sekundäre Hypertonie – die Folge einer anderen Grunderkrankung wie z. B. Nierenerkrankungen.

Symptome, die Sie, sollten sie wiederholt auftreten, auf erhöhten Blutdruck aufmerksam machen, sind u. a. Kopfschmerzen, Schwindel, Herzklopfen, Nervosität oder Müdigkeit. In diesem Fall lassen Sie sich bitte vom Arzt untersuchen.

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Cholesterin
Cholesterin ist der Stoff, der den Körperzellen ihre feste Hülle gibt, er ist am Hormonhaushalt beteiligt und hilft bei der Verdauung. Ohne ihn könnte der Mensch also nicht existieren. Leider kann ein Ungleichgewicht bzw. ein Zuviel davon ebenfalls negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben.

LDL (low density lipoprotein), auch „schlechtes Cholesterin“ genannt, zirkuliert im Blut und bewegt sich von der Leber zu den Organen. Hier kommt das „gute Cholesterin“ HDL (high density lipoprotein) zum Einsatz. Dieses sammelt nämlich das abgelagerte Cholesterin aus den Organen wieder ein und transportiert es zurück zur Leber, damit es „entsorgt“ wird. Das Problem ist nun, je mehr LDL im Blut zirkuliert, desto mehr Cholesterin kann sich an den Gefäßwänden ansammeln, die Adern verstopfen und den Blutfluss stören oder sogar unterbinden. Es kommt zum Infarkt.

Vor allem fettreiches Fleisch sowie stark verarbeitete Lebensmittel führen zu einem Anstieg der schlechten Cholesterinwerte. Der LDL-Richtwert für einen gesunden Menschen ohne Risikofaktoren liegt bei weniger als 130 Milligramm pro Deziliter Blut.

Im Gegenzug dazu ist ein möglichst hoher HDL-Wert erstrebenswert. Gutes Cholesterin kann durch regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung mit gesunden Fetten, wie sie zum Beispiel in Nüssen, Avocado und Fisch (Omega3) enthalten sind, gesteigert werden. Die Messung der Cholesterinwerte erfolgt über einen Blutstropfen durch einen kleinen Stich in die Fingerkuppe.

Ein erhöhter Cholesterinwert wird aber nicht nur durch Ernährung erzeugt, sondern kann sowohl genetisch bedingt sein oder auf eine andere Grunderkrankung hinweisen wie z. B. Nieren- und Leberkrankung oder einer Schilddrüsenunterfunktion.

Zusätzliche Risikofaktoren für Frauen:
Zudem sehen sich Frauen noch einigen Risiken mehr gegenüber. Durch die Doppelbelastung von Beruf und Familie kommt es zu einem erhöhten Stresspegel, der Frauen noch anfälliger für eine Herzerkrankung macht. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist auch die Einnahme der Pille in Kombination mit dem Rauchen. Frauen beginnen relativ früh mit dem Rauchen und sind meistens stärkere Raucher, dies erhöht bei hormoneller Verhütung durch die Pille die Wahrscheinlichkeit eines Blutgerinnsels, auch Thrombose genannt, bereits in jungen Jahren immens. Hier kann der APC-Test mittels Blutuntersuchung abklären, ob generell ein höheres Thromboserisiko besteht. Ist dies der Fall, sollten Sie mit Ihrem Arzt über andere geeignete Verhütungsmittel reden und am besten sofort mit dem Rauchen aufhören.

Frauen sind bis zu den Wechseljahren durch ihren erhöhten Östrogenspiegel relativ gut geschützt, nach der Umstellung des Hormonhaushaltes nimmt jedoch das Herzinfarktrisiko stetig zu. Infarkte treten deshalb gehäuft ab dem 60. Lebensjahr auf.

Wie kann man einem (weiteren) Herzinfarkt vorbeugen?

Trotz aller Risikofaktoren gibt es aber auch Maßnahmen, die helfen einem Herzinfarkt vorzubeugen. An oberster Stelle steht eine gesunde Lebensweise. Diese verbessert nicht nur Bluthochdruck und Cholesterinwerte und letztendlich auch das Risiko eines Infarktes, sondern wirkt sich auch positiv auf alle anderen körperlichen Belange aus.

Übergewicht und Bewegungsmangel sind nur zwei der großen Risikofaktoren, die man selbst oder unter Anleitung von Ernährungsberatern, Trainern und in Abklärung mit dem Arzt anpacken kann.

Genügend Bewegung und Sport kann ein erster noch nicht medikamentöser Schritt sein, um zu hohen Blutdruck zu normalisieren sowie den Cholesterinspiegel zu senken. Moderates Ausdauertraining und Krafttraining stärken das Herzkreislaufsystem und das Immunsystem und kräftigen Muskeln, Sehnen und Gelenke. Zudem lindert Bewegung auch Stress, der nicht unwesentlich an der Entstehung von Infarkten beteiligt ist. Besonders Menschen, die täglich lange und viel sitzen, sollten zum Ausgleich Zeit in Bewegung investieren. Schon ein bisschen Bewegung ist besser als gar keine. Z. B. indem man die Stufen statt den Fahrstuhl nimmt oder sich in der Mittagspause im Park die Füße vertritt.

Ein bewegtes Leben wird am besten ergänzt durch eine ausgewogene Ernährung. Besonders bei erhöhtem Blutdruck sollte auf zu viel Salz verzichtet werden. Ebenso gesundheitsschädigend sind übermäßiger Zuckerkonsum oder Fertignahrungsmittel, die bedenkliche Transfette enthalten. Auch fetthaltige Wurst und Fleischwaren sollten nur in geringen Mengen verzehrt werden. Wer selber mit frischen Zutaten kocht und auf eine gute Mischung aus Gemüse, Obst , Vollkornprodukten, magerem Fleisch und Fisch achtet, hat bereits einen wichtigen Schritt zur Prävention getan.

Auch Laster wie Rauchen oder übermäßiger Alkoholkonsum können einen Herzinfarkt stark begünstigen und sollten deshalb, so gut es geht, aus dem täglichen Leben gestrichen werden.

Eine sehr wichtige und hilfreiche Vorbeugemaßnahme ist es, in regelmäßigen Abständen Cholesterin- und Blutdruckwerte zu kontrollieren, um so rechtzeitig auf eine drohende Gefahr reagieren zu können.

In jedem Fall gilt: Achten Sie auf Ihren Körper, erkennen Sie die Symptome und handeln Sie so rasch wie möglich!